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TU Berlin

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Historisches Steinpflaster in Dresden – Denkmal der Stadt- und Technikgeschichte

* und René Andelar **,
* TU Dresden, Institut für Geotechnik, Professur für Angewandte Geologie, ** 01062 Dresden,, Louisenstraße 81, 01099 Dresden.

Historisches Steinpflaster prägt auch heute noch den Charakter ganzer Stadtteile, obwohl sich deren Besucher dessen meist nicht unmittelbar bewusst wird. Noch weniger achtet er auf die einzelnen Pflastersteinarten, die in unterschiedlichen Mustern auf Straßen und Plätzen verlegt sind. Wegen starker Lärmbelastung und unebenen Oberflächen hat historisches Steinpflaster dazu heute bei Anwohnern wie Verkehrsteilnehmern eher ein negatives Image. Betrachtet man aber die gepflasterten Flächen und ihr Baumaterial genauer, so erzählen sie nicht nur von wichtigen Etappen der Erschließung einer städtischen Infrastruktur, sondern auch über die Geologie umgebender Naturräume und die Nutzung geeigneter Gesteine als Baustoff. Dies macht neben der ästhetischen Korrespondenz mit historischen Hochbauten den eigentlichen Denkmalwert historischen Steinpflasters aus. Am Beispiel der Stadt Dresden (Andelar, 2004) sollen solche Zusammenhänge verdeutlicht werden. Erfasst man die im historischen Pflaster in Dresden verlegten Natursteinarten, so fällt schnell auf, dass sich der Bestand ausschließlich auf magmatische Gesteine reduziert. Metamorphe und sedimentäre Gesteine sind auf Grund ihrer technischen Eigenschaften (geringere Festigkeiten, höhere Wasseraufnahme, Anisotropien im Gefüge) für eine derartige Nutzung wenig geeignet.

Die in Dresden verlegten Natursteine stammen nahezu ausschließlich aus dem sächsischen Raum. Als nach der Demolierung der Festungsmauern 1826 neue Straßen und Quartiere entstanden, wurden zunächst vorwiegend in unregelmäßigen Formen gebrochene Natursteine aus der näheren Umgebung genutzt, weil die bis dahin meist verwendeten groben Flusskiesel aus der Weißeritz („Katzenköpfe“) nicht mehr ausreichten. Hier sind vor allem der Syenit (Monzonit) aus dem Plauenschen Grund bei Dresden sowie granitische Gesteine aus dem Elbtal bei Meißen zu nennen. Nach 1850 traten Granodiorite und Lamprophyre aus der Lausitz sowie verschiedene Porphyre aus dem nordwestsächsischen Gebiet hinzu.

Mit den steigenden quantitativen und qualitativen Anforderungen des städtischen Verkehrswegebaus nicht nur in Dresden, sondern in vielen anderen Gebieten Deutschlands entwickelte sich verstärkt ab den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts besonders in der Lausitz und in Nordwestsachsen eine „boomende“ Natursteinindustrie. Auch im Berliner Straßenpflaster wie dem vieler anderer Städte können nordwestsächsische Porphyre und Lausitzer Granodiorite und Lamprophyre in großen Mengen nachgewiesen werden. Seit 1889 wurde in Dresden neben den bereits genannten Natursteinen auch der von 1863 an produzierte Mansfelder Schlackestein für die Pflasterung verwendet, ein Nebenprodukt der Kupferschieferverhüttung. Auf weniger befahrenen Flächen wurden seit 1893 gebrannte Klinkersteine aus Plänermergel und Ziegelbruch eingesetzt.

Durch zahlreiche spätere Baumaßnahmen, Ausbesserungen und die Wiederverlegung „recycelter“ Pflastersteine ist eine detaillierte räumlich-zeitliche Rekonstruktion des Einsatzes bestimmter Natursteinarten im Dresdner Pflaster heute nicht mehr möglich. Erfreulich ist jedoch, dass bei der Rekonstruktion großer Pflasterflächen in wichtigen innerstädtischen Bereichen (z.B. Neumarkt an der Frauenkirche) auch heute noch das traditionelle sächsische Natursteinmaterial verwendet wird.

Literatur

Andelar, R. (2004): Gesteine im historischen Dresdner Straßenpflaster und deren Herkunftsgebiete. – Unv. Diplomarbeit, Institut für Geographie der TU Dresden.

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