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TU Berlin

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Naturwerksteine im westlichen Oberfranken - von Bamberg nach Coburg

*, Michael Link & Roman Koch
* Institut für Paläontologie, Loewenichstraße 28, 91054 Erlangen

Die Exkursion beginnt in der Altstadt von Bamberg (Dom, Alte Hofhaltung, Neue Residenz), führt über Memmelsdorf (Schloß Seehof) nach Norden Richtung Bad Staffelstein (Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen und Kloster Banz) und endet in Coburg (Schloß Ehrenburg und Callenberg, Coburger Veste). Besucht werden Bauwerke aus dem Mittelalter bis ins Barock, typische Bausteine sind mesozoische Sandsteine, die in der näheren Umgebung (Hassberge, Steigerwald, Albtrauf der Fränkischen Schweiz) gebrochen wurden. Der Abbau erfolgte in kleineren Steinbrüchen, die bis auf wenige Ausnahmen im Laufe der Zeit aufgelassen wurden und heute nur noch als regionalgeologische Aufschlüsse von Bedeutung sind. Neben Handelsnamen wie Grüner, Gelber oder Weisser Mainsandstein werden die Natursteine nach den Ortsnamen der einzelnen Steinbrüche bezeichnet.

Der Schilfsandstein (Stuttgart-Formation, Gipskeuper) fand wegen seiner Feinkörnigkeit bevorzugt für Skulpturen, Simse und Ornamente Verwendung, wichtige Vertreter sind der Sander und der Schleeriether Sandstein. Er ist grün, auch rötlich, manchmal mit einem Lilastich und durch Glimmerlagen feingeschichtet. Aus ihm wurden der Figurenschmuck des Fürstenportales am Bamberger Dom oder auch die Gartenskulpturen und das Seegitter von Schloß Seehof gearbeitet. Der Coburger Sandstein (untere Löwenstein-Formation, Sandsteinkeuper) wurde im Mittelalter zunächst aufgrund seiner Härte als Mühlstein geschätzt, später wegen seiner weissen Farbe und mittelkörnigen Homogenität zum beliebten Werkstein. Als Neubrunner Sandstein wurde er z. B. am Bamberger Dom verbaut, im namensgebenden Coburg bestimmt er das Stadtbild.

Im Burgsandstein (obere Löwenstein-Formation, Sandsteinkeuper) wurden oft Lagerkeller angelegt, das dabei geförderte Material fand als Scheuersand Verwendung. Diese Abbauform beruht auf dem Arkosencharakter des Materials, durch den Zersatz der Feldspatanteile zu Kaolin erfolgt eine Entfestigung des Kornverbandes bei Erhalt der Standfestigkeit. Der Sandstein ist mittel- bis grobkörnig, in Partien mit Quarzgeröllen, weißgrau, gelblich oder auch rötlich. Härte Partien mit kalzitischer oder dolomitischer Bindung wie der Kirchaicher Sandstein wurden
als Baumaterial genutzt und sind am Bamberger Dom, in der Alten Hofhaltung oder in der Veste Coburg zu finden.

Die Rhätolias-Sandsteine (Exter-Formation/Bamberg-Formation, Oberer Keuper/Unterer Lias) zeigen hellbraune bis weißgraue Farben, oft werden Sedimentlagen durch limonitische Braunfärbung betont. Besonders die kieselig gebundenen Varietäten des mittel- bis grobkörnigen Sandsteins aus Burgpreppach und Buch wurden als Baustein (Dom, Alte Hofhaltung oder auch in neuzeitlichen Fassadenverkleidungen) oder als Werkstein in der Bildhauerei verwendet.

Der Eisensandstein (Eisensandstein-Formation, Dogger) wurde am Westrand der Frankenalb abgebaut, wo er eine markante Schichtstufe bildet. Er ist fein- bis mittelkörnig, durch seinen Eisengehalt ockerbraun und nur mäßig verwitterungsresistent. Vorkommen wie der Banzer Sandstein wurden für markante Bauwerke wie Vierzehnheiligen oder Kloster Banz verwendet, die in Hanglagen exponiert mit ihren leuchtend goldenen Farben das Landschaftsbild am Albrand prägen.

Ein Überblick über Herkunft, Verwendung und technische Eigenschaften der regionalen Werksteine findet sich in Fürst, Manfred & Santowski, Gisela (1985): Naturstein historischer Baudenkmäler Bambergs und seiner Umgebung.- Geol. Bl. NO-Bayern, 34/35, S. 563-602, Erlangen.

Die Exkursion verknüpft touristische Sehenswürdigkeiten mit den regionalen Natursteinen, Schwerpunkt Bausteine. Besucht werden Kirchen und Klöster, Burgen und Schlösser sowie Repräsentationsbauten. Neben Baukörpern wie dem Bamberger Dom, die einem geologischen Bilderbuch gleich einen Querschnitt durch das Materialangebot der Umgebung präsentieren, wird der Stadt- oder sogar Landschaftsbild-prägenden Einfluss lokal dominierender Werksteine vorgestellt.

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