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TU Berlin

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Naturwerksteinkundliche Wanderung im Zentrum von Neubrandenburg

, NatursteinInformationsbüroStein, Am Schulzensee 3, OT Waldsee, 17258 Feldberger Seenlandschaft.

Die Anwendung von Naturwerksteinen in der Stadt Neubrandenburg ist im Vergleich zu Städten mit ähnlicher urbaner Funktionalität in anderen Regionen Deutschlands relativ gering und in der bisherigen historischen Entwicklung begründet. In größerem Umfang bestimmt bis in die heutige Zeit die Verwendung von Sichtmauerwerk, Putzen, Sichtbeton und Betonwerksteinbodenbelägen das architektonische Bild im öffentlichen Raum. Die Verwendung von Naturwerksteinen als Bauwerksstoffe können geschichtlich wie folgend gegliedert werden:

Früh- bis spätmittelalterliche Nutzung von eiszeitlichen Geschiebe als Gründungssteine, Mauersteine mit und ohne Aufspaltung, Gesteinszuschlag nach Anforderung des Gebäudes, Straßenbausteine und Bordsteine. Die schönsten Objekte mit diesen Materialien stellen die vollständig erhaltene Stadtmauer und die Turmfassade der Konzertkirche im Stadtzentrum dar. Hauseingangsschwellen und kleinere Treppen aus importierten skandinavischen Graniten und Gneisen im 18./19. Jahrhundert als Bezug aus den Küstenstädten der Ostsee aus den Bauaktivitäten der Gründerzeit

Im 19. bis Mitte des 20. Jahrhundert ist der Einsatz von typischen deutschen Bauwerksteinen wie Schlesischen Graniten, sächsischen und schlesischen Sandsteinen, Thüringer Travertin nur gering sichtbar.Als Beispiele sind hier lediglich die drei Denkmale vorhanden:

  • „Mudder Schulten & Durchläuchting“ aus Thüringer Travertin und Muschelkalk
  • Fritz Reuter mit Graniten aus Deutschland und Schweden
  • Boll-Stele aus sächsischem Sandstein.

Erhalten ist im Augenblick noch das ehemalige Kurhaus am Augustabad mit Innenfassaden aus Thüringer Travertin und Bodenbelägen aus schlesischem Granit sowie einer kompletten Dacheindeckung mit Thüringer Dachschiefer in traditionellen Arbeitsausführungen.

Der Naturwerkstein, welcher der DDR nach 1945 aus ihrem Territorium zur Verfügung stand, wurde in der folgenden Aufbauphase teilweise umfangreich an Repräsentationsbauten und an der wiedererrichteten mittelalterlichen Straßenachse im Stadtzentrum verwendet: Knotenkalke und Kalkbrekzien SAALBURGER MARMOR, grau und bunt; Quarz-Phyllit THEUMAER FRUCHTSCHIEFER; COTTAER Sandstein, gelbgrau; Granodiorit DEMITZ-THUMITZ; Travertine aus Thüringen; Lausitzer Lamprophyr; Löbejüner Quarzporphyr. Im Hotel des Stadtzentrums wurde ein Granit aus der Ukraine als Bodenbelag in Kombination mit ungarischem Travertin als Wandbelag eingesetzt. Ein bemerkenswertes Ensemble ist der Eingang des Krankenhauses aus Lausitzer Lamprophyr, Polnischem Marmor, Thüringer Travertin und Lausitzer Granodiorit. Einige Ensemble mit diesen traditionellen Gesteine in den betreffenden Gebäuden sollten hinsichtlich ihres historischen Charakters als bauerhaltenswert eingestuft werden:

  • das ehemalige HKB mit Theumaer Fruchtschiefer, Thüringer Travertin und Saalburger Marmor
  • Eingangsbereich des Krankenhauses
  • einzelne Hauseingänge in der Turmstrasse mit Cottaer Sandstein und Saalburger Marmor

Der Einsatz von Naturwerksteinen nach 1990 im öffentlich begehbaren Bereichen hält sich verhältnismäßig zu Städten vergleichbarer Größe in Grenzen. Im wesentlichen kommen Gesteine im Niedrigpreisniveau zur Anwendung wie ROSA SARDO BETA, SERIZZO ANTIGORIO, mittelgraue portugiesische Granite. Farbige Akzente, wie im Bahnhof Neubrandenburg mit deutschem Kalkstein JURA MARMOR gelb, schwedischem Granit BJÖRLEV und portugiesischem Schiefer PORTO werden nur selten gesetzt. Die Unkenntnis der öffentlichen Bauherren und ihrer Berater über preislich günstige Ware sowie der farbliche Zeitgeschmack im grau-schwarz Spektrum dürften wesentliche subjektive Ursachen für diese architektonische Einförmigkeit darstellen. In kleinerem Umfange sind allerdings auch farbig und texturell interessante Gesteine als bauliche Akzente in privaten Bauten verwendet worden.

Nach 1995 kommt eine etwas größere Farb- und Gefügevielfalt zur Anwendung, bemerkenswerte Bauensemble sind dafür:

  • Bodenbelag aus dem ordovizischen grauen Ölandkalkstein in

    der Konzertkirche in Kombination mit grauem Bohus Granit in der

    Außenanlage und im Altbestand aus Geschiebe gefertigten Fassadenteilen

    und von Buttel entworfenen Pollern

  • Außenfassade aus Obernkirchner Sandstein des Marktplatzcenters in Kombination mit MENDINGER Basaltlava
  • Außenfassade aus dem Orthogneis ANDEER an einem Bürogebäude in der Woldegkerstrasse

An zahlreichen Gebäuden und Außenflächen, sind auch interessante Bauschäden am Naturwerkstein infolge Unkenntnis über deren bauphysikalisches Verhalten oder statischer Probleme zu beobachten.

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