direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Steine an der Leine - Naturwerksteine im Stadtbild von Hannover

* und **,
* Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Abteilung Wissenschaften und Sammlungen, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover, ** Niedersächsisches Landesamt für Bodenforschung, Stilleweg 2, 30655 Hannover.

Bezüglich der Verwendung von Naturwerksteinen ist in den meisten Städten – so auch in Hannover – eine baugeschichtliche Entwicklung zu verzeichnen. Diese wird im wesentlichen von den Transportmöglichkeiten der Baurohstoffe bestimmt. Vom Mittelalter bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts fanden Bau- und Ornamentsteine nahe gelegener Vorkommen Verwendung, Mit dem Aufkommen moderner Verkehrs-Infrastruktur konnten auch entferntere Naturwerkstein-Lagerstätten genutzt werden. Wegen seiner Lage am Nordrand der Mittelgebirgsschwelle wurden im mittelalterlichen Hannover daher vor allem die am damaligen Stadtrand verbreiteten Oberjura-Kalksteine (Lindener Berg) eingesetzt. Mit den Möglichkeiten des Bahn- und Binnenschifffahrttransportes seit der Mitte des 19. Jh. wurden in Hannover insbesondere die verschiedenartigen Sandsteine der regionstypischen „Wealden-Familie“ aus dem näheren Umland und zunehmend auch süddeutsche Gesteinsvarietäten (Fichtelgebirgs-Granit, Plattensandstein, Quaderkalk: besonders im III. Reich) verwendet. Nach der starken Zerstörung Hannovers im II. Weltkrieg kamen beim Wiederaufbau zusätzlich europäische Gesteine zum Einsatz (u.a. skandinavische und iberische Kristallin-Gesteine, italienische Marmore, Serpentinite und Travertine). Seit der Mitte der 1980er Jahre einsetzenden Globalisierung finden sich mittlerweile vielfach auch Baugesteine aus Brasilien (Sodalith-Foyaite) und Indien (Granulite, Migmatite), in jüngster Zeit sogar aus China.

Das wachsende Interesse der Öffentlichkeit an einer vielseitigen Erschließung stadtgeschichtlicher Zusammenhänge legt es nahe, sowohl nicht vorgebildeten Personen als auch ambitionierten Laien Informationen über die Bau- und Ornamentgesteine im Stadtbild zu vermitteln. Dabei spielt nicht nur die Herkunft der Gesteine eine wichtige Rolle, sondern ebenso die Erklärung der Entstehung unterschiedlichster Gesteinsarten (Kreislauf der Gesteine) und vor allem ihr Alter. Damit bietet sich eine öffentlichkeitswirksame Möglichkeit, dem Homo sapiens urbanus ganzjährig „Geologie zum Anfassen“ zu vermitteln.

Zu diesem Zwecke fand sich in Zusammenarbeit zwischen dem Geozentrum Hannover (GZH) und dem Niedersächsischen Landesmuseum Hannover (NLMH) unter Mitarbeit des Institutes für Mineralogie sowie des Institutes für Geologie der Universität Hannover, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege (NLD) und dem dort ansässigen Zentrum für Materialkunde von norddeutschem Kulturgut e.V. (ZMK) eine Projektgruppe zusammen. Deren Ziel ist die Vorbereitung einer einheitlichen Veröffentlichungsreihe zu Naturwerksteinen im Stadtbild Hannovers. Diese Arbeiten knüpfen an entsprechenden Aktivitäten in anderen Städten an [z.B. 1, 2, 3] und können auf bereits existierende Vorarbeiten [4, 5, 6, 7 u.a.] zurückgreifen. Band 1 der geplanten Serie befindet sich derzeit in der textlichen Endredaktion. Gemeinsame Zukunftsvision [8] ist eine in sich geschlossene, einheitliche und fortlaufende Serie von Publikationen über die Verwendung von Naturwerkstein in niedersächsischen Städten (z.B. Braunschweig, Göttingen, Goslar, Hameln, Osnabrück). Details über die bereits angelaufenen Arbeiten können unter o.a. E-Mail-Adressen erfragt werden.

Literatur

[1] Schroeder , J. H. (Hrsg., 1999): Naturwerksteine in Architektur und Baugeschichte von Berlin.- Führer Geol. Berlin Brandenburg, 6: 230 S., Berlin.
[2] Pätzold , J. (2002): Naturbausteine in der Bremer Innenstadt. – Bremer Geo-Touren, 2: 50 S.; Bremen.
[3] Beeger, D . (1992): Natursteine in Dresden. – Schriften Staatl. Mus. Mineral. Geol. Dresden, 4: 119 S.; Dresden.
[4] Graupner, A. ( o. J., um 1976): Natursteine an hannoverschen Bauwerken.- Hann. Geschichtsbl. N.F., 31, ½: 105-152; Hannover.
[5] Lepper, J. (1997): Naturwerkstein im Stadtbild von Hannover.- Ber. Naturhist. Ges. Hannover, 139: Poster-Beilage mit Rückseitenerläuterungen; Hannover.
[6] Lepper, J. (1998): Heimische Naturwerksteine im Stadtbild.- In: Erl. Geol. Stadtkarte Hannover 1:25.000: 66-73; Hannover.
[7] Broschinski, A. & Mauthe, F (2002): Niedersächsisches Landesmuseum Hannover. – In: Loseblattsammlung zum ersten „Tag des Geotops 2002“, hrsg. NLfB; Hannover.
[8] Schroeder, J. H., Schirrmeister, G. & Ehling, A. (2005): Steine in der Stadt – ein Netzwerk. Naturwerksteine in Städten Deutschlands. Bestandsaufnahme und Öffentlichkeitsarbeit. Grundgedanken. – Gmit, 20: 36-38; Hannover.

Zusatzinformationen / Extras