direkt zum Inhalt springen

direkt zum Hauptnavigationsmenü

Sie sind hier

TU Berlin

Inhalt des Dokuments

Ausstellung "Steine in der Stadt"

Ferdinand Heinz
Fa. Paros,
Am Grünen Grund 4, 01109 Dresden
E-mail:

Ausstellungen sind ein Mittel besonderer Kommunikation. Je nach Konzept können sie primär einseitig oder wechselseitig Informationen geben. Der Unterschied zu Messen besteht darin, dass nicht der Verkauf von Waren sondern die Informationen über das thematisch prägnante Ausstellungsanliegen im Vordergrund stehen. Das schließt wissenschaftliche, künstlerische, populäre und gewerblich-industrielle Aspekte ein.

Ausstellungen im heutigen Verständnis kamen im Verlauf des 18. Jahrhunderts als Begleiterscheinung der Aufklärung und bürgerlichen Bildungsbewusstseins auf. Zu den frühesten Formen von Ausstellungen gehören die Präsentationen von Kunstwerken (Malerei, Bildhauerei) und die von ausgewählten Pflanzen.

Beispielsweise fand in Dresden ein Jahr nach Gründung (1764) der Dresdner Kunstakademie eine erste Lehrer- und Schülerausstellung zur Ermunterung der Künstler und Beurteilung der Kenner im Palais Fürstenberg statt. Um 1900 erlebte Dresden überregional bedeutende Kunstausstellungen. Die Kgl. Sächsisches Gesellschaft für Botanik und Naturwissenschaften – Flora begann 1824 mit Pflanzenausstellungen, die später als Veranstalterin von drei Internationalen Gartenbauausstellungen (1887, 1896, 1907) großes Interesse unter Fachleuten und Laien erregten.

Die Konzepte erfolgreicher Ausstellungen lasseN folgendes Strukturmuster erkennen.

  1. Eine zentrale Botschaft des Ausstellungsanliegen
  2. die inhaltliche Gliederung mit dem Ziel, eine umfassende Darstellung des Ausstellungsthemas zu erreichen
  3. Breite Spreizung der angesprochenen Interessengruppen
  4. Begleitende Publikation zur vertieften Nachbereitung des Anliegens

Die Idee zu einer Ausstellung über Naturstein (Herkunft, Geschichte, Anwendungen) entstand meinerseits beim Besuch der Ausstellung Die Kunst des Steinschnitts im Kunsthistorischen Museum Wien zum Ende des Jahres 2003. Innerhalb dieser Präsentation zeigten die Veranstalter eine einzigartige Auswahl von Kunstwerken aus Stein bzw. Mineralien. Bei den Besuchern konnte eine Ahnung von der Kunstfertigkeit und dem dahinter stehenden grossen Wissen zur Bearbeitung dieser Materialien aufkommen.Vergleichbar bemerkenswerte Botschaften lassen sich vermitteln, wenn sich ein Ausstellung der Anwendung von Naturwerksteinen in der Architektur, Plastik und dem Kunstgewerbe widmen würde.

Nach meinen eigenen jahrelangen beruflichen Eindrücken wird die Arbeit mit dem Stein und zu den Materialien in der Bevölkerung völlig unterschätzt und teilweise falsch eingeschätzt. Ferner kann man eine Entwicklung beobachten, dass Naturstein in erstaunlichem Maße nur noch als technischer Normwerkstoff und kaum noch als Naturmaterial mit Gestaltungspotential, architekturprägenden Eigenschaften sowie beträchtlich ästhetisch-kulturgeschicht-lichem Wert wahrgenommen wird. Die Folgen dieser Tendenz sind beispielsweise ein mancherorts unsensibler Umgang mit kulturhistorisch wertvollen Natursteinanwendungen im öffentlichen Raum oder bei Sanierungsarbeiten aller Art. Immer weniger werden Entscheidungen zum Einsatz von Naturstein mit einer Abwägung in Hinblick auf regionalgeologische, kulturgeschichtlich-denkmalpflegerische und sozial-wirtschaftliche Tatsachengetroffen. Dass Naturstein als ein Dekorations- und Baustoff eine eigene kulturprägender Geschichte aufweist, wird ihm wohl kaum noch zugetraut. In wachsendem Maße erhalten unsere Innenstädte ein Antlitz mit „gesichtslosen“ und vom Regionalbezug gelösten Fernost-Natursteinen. Was unterscheidet künftig „Beliebigstadt“ von Wuhan oder Shenzhen?

Das Europa von Michelangelo, Peter Parler oder Auguste Rodin scheint kaum noch eine Rolle innerhalb eines multiplen europäischen Bewusstseins zu spielen? Wir sollten den Versuch unternehmen, mit Naturstein neu zu „verführen“!

Aus diesen und weiteren Gründen halte ich die Idee einer Ausstellung für erörterungswert. Arbeitsthese: Vom Wert des Natursteins – 5000 Jahre Nutzen und Schönheit!

Aus der Vorbereitungsdiskussion zu diesem Tagesordnungsbeitrag konzentrierten sich die Überlegungen auf eine Wanderausstellung, die ihrer Natur nach unserem Netzwerkgedanken direkt verbunden ist.

Zusatzinformationen / Extras