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TU Berlin

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Die Verwendung von Kalkstein in Köln und Möglichkeiten der Erhaltung am Beispiel des Savonnières Kalksteins

Esther von Plehwe-Leisen*, Hans Leisen** & Manuela Prechtel**
*Untersuchungslabor für Fragen der Natursteinerhaltung (LPL) Schulze-Delitzsch-Str. 88, 50968 Köln
E-mail:
**Fachhochschule Köln, Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft Köln Ubierring 40, 50678 Köln
E-mail:

In der Stadtgeschichte Kölns traten mehrfach „Kalksteinzeiten“ auf. Bereits die Bewohner der römischen Stadt zeigten eine Vorliebe für Kalksteine aus Steinbrüchen an der Mosel zwischen Metz und Nancy in Lothringen. Im 19. Jahrhundert wurden zur Fertigstellung des Doms eine große Anzahl an Skulpturen und Bauzier benötigt. Hierzu kamen Kalksteine aus Frankreich in die Stadt, vor allem aus der Umgebung von Savonnières-en-Perthois in der Champagne. Aus dem Savonnières Kalkstein wurde der Großteil des Skulpturenschmucks der Domfassaden gefertigt. Die nächste Welle wurde ebenfalls wieder vom Dom bestimmt: der mittelalterliche Trachyt vom Drachenfels am Chorstrebesystem wurde in den Jahren 1926 – 1939 in großem Stil durch Muschelkalk Kalkstein vom Main ersetzt. Viele Bauten in Köln aus dieser Zeit wurden der aus Berlin importierten „Muschelkalkmode“ folgend ebenfalls aus fränkischem Muschelkalk Kalkstein erbaut.

Frei bewitterte Kalksteine zeigen oft einen baldigen Abbau der Gesteinssubstanz. Die Kölner Industrieatmosphäre des 20. Jahrhunderts mit hoher Belastung an Sulfat, Stickoxiden und Kohlendioxid beschleunigte die Zerstörung. Neben der Lösung der Karbonate kam es zur Ausbildung von Gipskrusten. Wenn diese abfallen, tritt Gesteinspuder zu Tage, und die künstlerisch gestaltete Oberfläche ist verloren. Besonders schmerzlich ist die Zerstörung bei Skulpturen und Bauzier.

Der Skulpturenschmuck an den Fassaden des Kölner Doms besteht überwiegend aus Savonnières Kalkstein. Aber auch viele Skulpturen im Kölner Stadtgebiet wurden seit dem 19. Jahrhundert aus diesem Gestein gehauen. Oft sind deutliche Schäden zu erkennen. Vieles wurde bereits restauriert oder steht zur Restaurierung an. So auch die Könige der Westfassade des Kölner Doms oder die großen Engel auf über 80 m Höhe an den Domtürmen in den großen „Riesen“. Bei Sanierungsarbeiten am SW “Riesen“ des Nordturms wurden vier Engel 1998 ausgebaut und mit dem Acrylharzvolltränkungsverfahren behandelt. Als 2003 Arbeiten am SE Pfeiler des Nordturms anstanden, sollte die Möglichkeiten einer Konservierung vor Ort auf dem Gerüst geprüft werden.

Der Erhaltungszustand dieser vier Engel variierte stark. Die beregneten Partien zeigten durchweg starke Verwitterungserscheinungen. Lösungsprozesse hatten die Oberfläche zerstört, der Kalkstein war hier sehr mürbe. Zu Beginn wurden zerstörungsfreie Übersichtsuntersuchungen mit der Ultraschalltechnik durchgeführt, um den Grad der Verwitterung abschätzen zu können. Es zeigte sich, dass eine Figur, die dem Regen besonders ausgesetzt ist, deutlich geschädigt war, während ein vollständig geschützt stehender Engel fast keine Schäden außer einer flächendeckenden dunklen Verschmutzung aufwies. Es wurde von dem am stärksten gefährdeten Engel eine Ultraschalltomographie erstellt. Aufgrund dieser Ergebnisse fiel die Entscheidung zugunsten der Konservierung vor Ort.

Nach einander wurden die vier Engel aus den Nischen ausgebaut, gereinigt, mit Ultraschalltomographie und Bohrwiderstandsmessungen detailliert untersucht. Sie wurden anschließend gefestigt und mit einer Spezialschlämme als Oberflächenschutz beschichtet. Die Konservierung der Engel wurde im Rahmen einer Semesterarbeit an der Fachhochschule Köln vorbereitet. Zur Festigung wurden verschiedene Kieselsäureesterrezeptierungen getestet und ihre Wirksamkeit auf Originalsteinmaterial untersucht. Die Konzeption einer Schutzschlämme setzte dann ebenfalls auf Kieselgel als Bindematerial. Das ermöglicht ein schnelles Arbeiten „nass in nass“. Die Durchführung der Konservierungsarbeiten erfolgte durch die zuständige Steinmetzin der Dombauhütte in Zusammenarbeit mit der Autorin der Semesterarbeit. Die Maßnahme zeigte ein sehr zufrieden stellendes optisches Ergebnis und die Überprüfung mittels Bohrwiderstandsmessungen ergaben ausgeglichene Festigkeitsprofile ohne oberflächennahe Entfestigung.

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