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TU Berlin

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Natursteine in der Hansestadt Wismar

Ralf Lehr
A. Döblinstr. 14, 12679 Berlin, E-mail:

Wismar, einst eine blühende Hafen- und Handelsstadt, konnte sich über Jahrhunderte sein typisch hanseatisches Fair bewahren. Zusammen mit Stralsund zählt sie heute zu den schönsten und authentischsten Hansestädten in Deutschland. Im Jahr 2002 wurde die historische Altstadt in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

1229 wurde die Stadtgründung beurkundet. Siedlungen im Bereich des Stadtgebiets gab es aber schon wesentlich früher. Rasch entwickelte sich Wismar und wurde das „Brauhaus“ der Hanse.

Findlinge und Feldsteine waren die ersten Natursteine, die systematisch für Bauzwecke genutzt wurden. Die Einfassungsmauer und Treppen der Frischen Grube zeugen davon. Aber schon sehr früh tauchen die markanten gotländische Detrituskalksteine im Stadtbild auf. Der Turm der Marienkirche mit seinen weiß gezahnten Mauerecken, ist ein schönes Beispiel hierfür. In vielen anderen Hansestätten findet man diese Form auch, doch enden die Natursteinzahnungen meist schon auf halber Höhe. Nicht so in Wismar, hier ist die Zahnung vollständig bis zum Dach ausgeführt.

Repräsentative Grabplatten wurden von der Gotik bis zum 19. Jh. im Ostseeraum vor allem aus Gotland- bzw. aus Ölandkalkstein angefertigt. Häufig enthalten dies auch Fossilen, die nach Schnittlage sehr gut bestimmbar sind. Sehenswert ist in diesem Zusammenhang, eine große Grabplatte aus Gotlandkalkstein, die vor der St.-Nikolai-Kirche ausgestellt ist.

Wenige Meter entfernt befindet sich ein Hermenpilaster der Wasserkunst (dem Wahrzeichen Wismars) vom Markt. Dieses wurde von Phillip Brandin um 1580 entworfen und wahrscheinlich auch selbst noch mit bearbeitet. In der Literatur (Dehio) wird als Material Kalkstein angegeben, das Wasserkunstfragment ist aber aus einem grauen Kalksandstein, dem Burgsvik Sandstein, von der Insel Gotland gefertigt.

Die Wasserkunst auf dem Markt besteht heute, nach etlichen Restaurierungen, zu einem untergeordneten Teil aus Obernkirchener Sandstein, zum überwiegenden Teil aber aus Cottaer Sandstein. Eingefasst wurde die Wasserkunst in den sechziger Jahren des 19. Jh. mit einer Umfassung aus verschiedenen aus Schweden importierten Granitplatten und zum größeren Teil aus schwedischen „Altimporten“, Findlingen, die von regionalen Steinmetzen zu Platten verarbeitet wurden.

An der Schweinsbrücke befindet sich des Schabbellhaus. Das älteste Haus im Ostseeraum im Stil der niederländischen Renaissance, einer Synthese von Haustein und Backstein, wurde ebenfalls vom Hofbaumeister Brandin entworfen und unter seiner Leitung und aktiver Mitwirkung als Steinbildhauer 1569-71 errichtet. Mit seinen sandsteinernen Portalen, Voluten und Figuren ist es ein richtiges Schmuckstück. Ursprünglich bestanden diese Bauteile aus dem schon erwähnten gotländischen Burgsvik Sandstein, wurden aber 1934 im Zuge des Umbaus zum Heimatmuseum, durch Kopien aus Obernkirchner Sandstein ersetzt.

Der Fürstenhof mit seinem skurilen Figurenschmuck an den Natursteinportalen, ist ein weiterer sehr bedeutender Renaissancebau Mecklenburgs, bzw. Norddeutschlands. Auch hier wieder, überwiegend nicht mehr im Original erhalten und durch Kopien aus Cottaer Sandstein 1951 ersetzt.

Im Jahre 1881 eröffnete in Wismar Rudolf Karstadt das erste Warenhaus einer später in ganz Deutschland verbreiteten Warenhauskette. Das Stammhaus, ein typischer Stahlbetonskelettbau von Anfang des 20. Jh., ist in den vertikalen Gliederungsbereichen mit Elbsandstein (in Erdgeschoss Reinhardtsdorfer Sandstein) und in den horizontalen mit Obernkirchner Sandstein verkleidet.

Unweit des Kaufhauses findet man dann auch Natursteinbaukunst der heutigen Zeit. Der Brunnen am Hopfenmarkt wurde im Jahre 2000 von einem Lübecker Natursteinbetreib errichtet. Er besteht aus dem schwedischen Granit Bohus Hallinden.

Was man in der Wismarer Altstadt bis auf eine Ausnahme nicht vorfindet, sind moderne, nachwendezeitliche Natursteinfassaden. Die eine Ausnahme, das Geschäfts- und Verwaltungsgebäude Hinter dem Rathaus 13-15, wurde mit (schlesischem) Rackwitzer Sandstein, verkleidet.

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