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TU Berlin

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Wenn Steine reden könnten . . . - Ein Stadtspaziergang zu den Natursteinen in Nienburg/Weser

Manfred Schliestedt
Grund 13, 31636 Linsburg - E-Mail:

Die Kreisstadt Nienburg mit ca. 30 000 Einwohnern liegt im Zentrum Niedersachsens auf der hochwasserfreien Niederterrasse östlich der Weser. Die erste Siedlungsgründung begann vermutlich im 9. Jahrhundert; die erste urkundliche Erwähnung Nienburgs datiert in das Jahr 1025. Durch Umleitung und Teilung des Steinhuder Meerbaches entstand eine dreieckige, völlig von Wasserläufen geschützte Siedlung (Altstadt), deren verkehrsgünstige Lage am einzigen Weserübergang (erst Furt, später Fähre und Brücke) zwischen Minden und Bremen die mittelalterliche Stadtentwicklung stark förderte.

Auf einem Rundgang durch die Altstadt werden die für Nienburg typischen historischen Naturwerksteine ebenso wie einige beispielhafte Verwendungen „moderner“ Natursteine vorgestellt.

Da Nienburgs Umgebung aus eiszeitlichen Ablagerungen des Quartärs besteht, wurden die Festgesteins-baumaterialien bis zur Neuzeit überwiegend über die Weser herantransportiert. Verwendung fanden der Portasandstein, ein mittel- bis grobkörniger Limonit-haltiger Sandstein aus dem mittleren Jura, der im Weser- und Wiehengebirge südlich von Minden abgebaut wurde, und der Obernkirchener Sandstein aus der Unterkreide. Der graugelbe feinkörnige Sandstein mit kieseligem Bindemittel wurde früher in vielen Höhenzügen des nördlichen Weser-Leineberglandes (u.a. Deister, Bückeberge, Rehburger Berge) abgebaut. Heute sind noch zwei Steinbrüche (ein größerer bei Obernkirchen in den Bückebergen und ein kleinerer bei Münchehagen in den Rehburger Bergen) in Betrieb.

Während der Portasandstein aufgrund seines groben Gefüges nur als Baustein benutzt wurde (St. Martin-Kirche, Weserbrücke), sind die Einsatzmöglichkeiten des Obernkirchener Sandsteins sehr vielfältig: Neben der Verwendung als Baustein (Rathaus, Bürgerhäuser) gibt es auf dem Rundgang u.a. Brunnen, Plastiken, Grabsteine und Wappen zu sehen. Das Nienburger Museum präsentiert im „Lapidarium“ (= Steinsammlung) eine große Auswahl an weiteren Verwendungsbeispielen des Obernkirchener Sandsteins.

Mit Aufkommen der Eisenbahn als Transportmittel wurden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts weitere norddeutsche Natursteine in Nienburg eingesetzt: z.B. der Piesberg-Sandstein (Karbonquarzit) aus Osnabrück und Basalte aus der Kasseler Umgebung zur Straßenpflasterung sowie der Rote Wesersandstein aus dem Solling (Neubau der Weserbrücke).

Im Vortrag werden auch Beispiele gegeben, wie das Thema „Steine“ gerade für Laien spannend vermittelt werden kann.

Eine Beschreibung des hier vorgestellten Stadtspaziergangs ist als Kapitel in einem naturkundlichen Rad- und Wanderführer („Naturerlebnis Mittelweser“) erschienen.








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