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TU Berlin

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Natursteine unter und im Dom zu Magdeburg

Siegfried Fricke* & Rainer Kuhn**
* Rogätzer Straße 38d, 39106 Magdeburg
** Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt,Forschungsprojekt “Grabungen im Dom zu Magdeburg“ - Außenstelle Magdeburg – Lothar-Kreyssig-Str. 1, Osteingang

Die Heraushebung der Flechtingen-Roßlau-Scholle zeitgleich mit der Heraushebung des Harzes in der Kreidezeit und dem Tertiär brachte im Raum der heutigen Stadt Magdeburg variszisches Grundgebírge zu Tage. Alle das Perm und Karbon überlagernden Schichten wurden bei und nach der Heraushebung abgetragen. Die gegenüber der Verwitterung widerstandsfähigeren Schichten des gefalteten Karbon und des teilweise über-lagernden Rotliegenden bilden am Westufer der Elbe eine markante Erhöhung, die u.a. der Anlass für eine Ansiedlung und die Gründung der Stadt Magdeburg vor mehr als 1200 Jahren gewesen sein mag. Einige Aufschlüsse des Karbon mit vorwiegend Grauwacke und des Rotliegend mit schluffigem Sandstein sind heute noch im Stadtgebiet sichtbar. Insbesondere ist das von der Elbe freigespülte Rotliegend-Gestein am Fuße des Domes, der so genannte „Domfelsen“ bei Niedrigwasser markant sichtbar. Aus einer Vielzahl von Steinbrüchen im Mittelalter wurde die Grauwacke als geeignetes Baumaterial für die Stadtmauer und für zahlreiche Gebäude gewonnen. Der heutige gotische Dom und seine Vorgängerkirchen sind allerdings nicht auf dem deutlich tiefer liegenden „Domfelsen“, sondern im überlagernden Grünsand des Tertiärs bzw. im quartären Löß gegründet.

Zwischen 1948 und 1968 führte Ernst Nickel Grabungen im Stadtkern von Magdeburg, insbesondere auch auf dem Domplatz (1959-1968) nördlich des heutigen gotischen Domes durch. Er fand hier Fundamente eines Bauwerks aus dem 10. Jahrhundert, das er als Königshalle der Magdeburger Pfalz Ottos des Großen (936-973) identifizierte. In einer Grabungskampagne 2001-2003 auf dem Domplatz im Bereich der Nordkirche unter Leitung von Rainer Kuhn konnte nachgewiesen werden, dass es sich tatsächlich bei dem 41 m breiten Gebäude um einen Kirchenbau handelt und dass dieser aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts stammt. Ferner konnten erstmals zwei Vorgängerbauten nachgewiesen werden. Kennzeichnend sowohl für den ottonischen Bau als auch für den größeren der beiden Vorgängerbauten war dabei als Baumaterial ein orangebrauner bis rotbrauner, stark mit Hohlräumen durchsetzter Kalksinter.

2006 wurden die Grabungen, ebenfalls unter Leitung von Rainer Kuhn, innerhalb des gotischen Domes fortgesetzt. Bei den Untersuchungen, die noch bis April 2009 andauern, wurden Teile der Fundamente, des Fußbodens und Mauerreste einer Südkirche aus etwa der gleichen Bauzeit wie der Nordkirche freigelegt. Kalksinter kommt auch hier vor, jedoch findet auch viel Grauwacke und gelegentlich Muschelkalk Verwendung. Wichtiges Fundstück ist eine Muschelkalksäule aus dem Kreuzganginnenhof. Sie zeigt baugeschichtliche Parallelen zu St. Pantaleon in Köln (um 965).

Nach einem Brand 1207 wurden die ottonisch-romanischen Kirchen abgetragen. Der Bau eines Domes begann 1209, die Fertigstellung in seiner jetzigen Form dauerte mehr als 300 Jahre. Wichtigstes Baumaterial für den ersten gotischen Großbau nach französischem Vorbild auf deutschem Boden ist ein gelblicher Sandstein. Nach F. Wiegers (1924) wurde bei Restaurierungsarbeiten am Dom 1835 das Leitfossil Pleuromeia aus dem Mittleren Buntsandstein gefunden. Die Herkunft des Sandsteins wird daher aus dem Bernburger Raum vermutet. Das Steinmaterial der Vorgängerkirchen wurde teilweise mit verbaut.

Bei der Innenausstattung sind u.a. von besonderer Bedeutung die Spolien (Säulenschäfte) aus Marmor, Porphyr und Granit und der Große Taufstein aus ägyptischem Porphyr, die Otto der Große aus Italien nach Mitteldeutschland schaffen ließ, der einzige Antikentransport nach Mitteldeutschland, von dem wir für das 10.-12. Jahrhundert Nachricht haben.

Literatur (auszugsweise)
R. Kuhn (2005): Die ottonische Kirche am Magdeburger Domplatz. Baubefunde und stratigraphische Verhältnisse der Grabungsergebnisse 2001 - 2003.- Archäologie in Sachsen-Anhalt, Sonderband 3, S. 9-49

F. Wiegers (1924): Geologisches Wanderbuch für den Regierungsbezirk Magdeburg.- Ferdinand Enke, Stuttgart

Magdeburg auf Fels gebaut (2005).- Landesamt für Geologie und Bergwesen Sachsen-Anhalt

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