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TU Berlin

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Naturwerksteine in der Tschechischen Republik: Ein Überblick und kurzer historischer Abriss

Ferdinand Heinz
Fa. Paros; Am Grünen Grund 4, 01109 Dresden; E-mail:

Die Tschechische Republik bzw. die historischen Regionen Böhmen und Mähren gehören zu jenen mitteleuropäischen Gebieten, bei denen eine der höchsten Dichte an Naturwerksteinbrüchen festzustellen ist. Zur Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie gelangten einige böhmische Materialien zu überregionaler Bedeutung. In der Neuzeit werden die noch aktiv abgebauten Vorkommen hauptsächlich für den nationalen Bedarf eingesetzt.

Böhmische, Mährische und Schlesische Werksteine spiegeln sich seit dem Mittelalter in der Architektur aller Bauepochen des Landes wider. Die repräsentativsten Anwendungen finden wir hauptsächlich in den historischen Zentren Prag, Brünn und Königsgrätz.

Bei den wichtigsten Nutzgesteinsgruppen kann die Tschechische Republik bemerkenswerte Vorkommen aufweisen. Die differenzierten geologischen Voraussetzungen sind die Grundlage einer vielfältigen Steingewinnung. Es existieren erschlossene bzw. untersuchte Lagerstätten von Marmoren, Kalksteinen, Sandsteinen, Graniten, dunklen Intrusivgesteinen, Schiefern, Trachyten und einige kleine Vorkommen an Serpentiniten.

In den jeweiligen Regionen prägen die wichtigsten Gesteine die Architektur sowie die Strassen und Plätze. Für dekorative Anwendungen im Innenbereich dominieren Kalksteine. Auf dem Land gibt es viele Kleinode der Steinanwendung zu entdecken. Die wesentlich sanftere Modernisierungsrate nach dem 2. Weltkrieg bis zum heutigen Tag hat viele wertvolle Architekturdetails erhalten. Ein überaus reichhaltiges Bild ergibt sich aus der Vielfalt von Natursteinen in Prag. In dieser Stadt stehen Anwendungen einheimischer Gesteine aus der langen Baugeschichte dieser Stadt neben zahlreichen ausländischen Dekorationsgesteinen. Dabei tritt die Epoche vom frühen 20. Jahrhundert deutlich hervor.

Für den steinkundigen Tschechen besitzen die einheimischen Nutzgesteine einen nationalen Symbolcharakter. Dazu zählen der Lipovski-Marmor, der Božanov-Sandstein, der Hlinsko-Granodiorit oder der Slivenec-Kalkstein. Trotzdem sind nicht mehr alle Gesteine von gleichrangiger wirtschaftlicher Bedeutung. Aktuell bestimmen einheimische Granite, Sandsteine sowie Importgesteine den tschechischen Markt. Die Bildhauerausbildung konzentriert sich schwerpunktmäßig auf Sandstein. Kalksteine und Marmore spielen für die Werksteinproduktion gegenwärtig nur eine untergeordnete Rolle, sind aber für die Zementindustrieeine wichtige Grundlage. Die Abspaltung der Slowakischen Republik hat den Absatz ihres Travertins Spiš innerhalb Tschechiens ungünstig beeinflusst und dadurch vergleichbaren Importgesteinen den Weg geebnet. Die tschechischen Travertinlagerstätten in Mähren sind sehr klein und teilweise erschöpft.

In Deutschland haben nur wenige tschechische Werksteinsorten Eingang gefunden. Die Erklärungen für dieses Phänomen sind nur vage und hypothetisch zu fassen. In historischen Abschnitten spielt das distanzierte Verhältnis der Donaumonarchie zum Deutschen Reiche eine gewisse Rolle. Später entwickelten sich in den grenznahen Gebieten durch die deutschen Firmenbesitzer vereinzelte Handelsbeziehungen nach Deutschland. Nach 1945 wirkten die Kriegsereignisse sehr lange nach und hemmten den Austausch. Zusätzlich steht die Sprachbarriere auf beiden Seiten einem intensiveren Kontakt oft im Wege.

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