TU Berlin

Buntsandstein als Baustein in Marburg

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Buntsandstein als Baustein in Marburg

, Fachbereich Geowissenschaften, Philipps-Universität Marburg, Hans-Meerweinstr., 35032 Marburg.

Die sich über dem Lahntal erhebende Kulisse der Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern charakterisiert das mittelalterliche Stadtbild von Marburg. Doch neben den Fachwerkbauten fallen dem Besucher der Stadt zahlreiche repräsentative Gebäude auf, die aus roten und gelben Sandsteinen erbaut sind, wie z.B. die Elisabethkirche, das Marburger Schloß, die Alte Universität und das Rathaus. Daneben wurden Sandsteine als Fundamentgesteine, für Mauern, Treppenstufen, Denk-mäler, bildhauerische Arbeiten und viele andere Verwendungszwecke verbaut. Aber nicht nur in Marburg dominieren diese Sandsteine als historisches Baumaterial, sondern auch das weitere Umland ist durch die Verwendung dieser charakteristischen Werksteine geprägt.

Es sind die natürlichen geologischen Voraussetzungen, die für die Verbreitung dieser Sandsteine im Marburger Raum verantwortlich sind. Unmittelbar am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges werden hier die alten Gesteine des Devons und Karbons von den horizontal gelagerten Buntsandsteinsedimenten der Trias-Zeit überlagert. Letztere lieferten die ausgezeichneten Werksteine, die über Jahrhunderte in der Stadt Marburg und ihrer Umgebung verbaut wurden. Die besten Werksteinbänke liegen in den Schichten des Unteren Buntsandsteins, sowie in denen der Hardegsen- und Solling-Folge des Mittleren Buntsandsteins. Im Bereich zwischen Stauffenberg im Süden und Frankenberg in Norden ließen sich über 140 ehemalige Abbaustellen lokalisiern. Heute ist nur noch ein Steinbruch aktiv.

Die Qualität der Marburger Bausandsteine ist sehr gut. Die stark porigen Sandsteine liegen mit Ihrem Sättigungswert überwiegend unter 0,75 und erweisen sich als frostunempfindlich. Das Quellverhalten, ausgedrückt durch die Hygrische Dehnung, ist bei den Marburger Bausandsteinen im Durchschnitt gering und liegt bei 0,35mm/m. Sandsteine des Unteren Buntsandsteins hielten durchschnittlich einem Druck von 56 N/mm2 stand, Sandsteine des Mittleren Buntsandsteins einem durchschnittlichen Druck von 53 N/mm2.

Dennoch lassen sich an den verbauten Sandsteinen ganz charakteristische Verwitterungsformen beobachten. Häufig ist ein Absanden an Sandsteinquadern zu sehen, wodurch diese nach und nach zurunden und das Mauerwerk auflockern. Desweiteren zeigt die Schwarzfärbung durch Schmutzablagerung und Gipskrustenbildung eine relativ verbreitete Schadensform. Abschalen, parallel zur sedimentären Schichtung oder parallel zur behauenen Oberfläche tritt relativ selten auf.

Der Grund für das unterschiedliche Verwitterungsverhalten liegt im Korngefüge der Sandsteine. Bei den Fein- und Mittelsandsteinen handelt es sich um Sublitharenite und Quarzarenite. Die Zementation durch authigenes Quarzwachstum ist an Monoquarzen deutlich ausgeprägter als an polykristallinen Quarzen. Die Anwachssäume um Monoquarze sind häufig gleichmäßig um die klastischen Körner entwickelt. Dort, wo sie den kompletten Porenraum ausfüllen, ist der Sandstein extrem gut zementiert. Der Sandstein erreicht dann hohe Werte in seiner mechanischen Belastbarkeit und erweist sich als verwitterungsresistent. Die authigenen Anwachssäume um polykristalline Quarze sind meist dünner und unregelmäßiger ausgebildet. Sie richten sich nach der Orientierung der Subkörner oder Rekristallisatkörner, sind daher als feinkörniger polykristalliner Quarzzement entwickelt und bilden nur selten zusammenhängende Flächen zwischen mehreren klastischen Körnern. Der Porenraum ist dabei selten komplett mit Quarzzement ausgefüllt und der Sandstein zeigt einen geringeren Widerstand gegenüber mechanischer Belastbarkeit. Ein wichtiger Faktor für die Festigkeit der Sandsteine ist das Vorhandensein und die Ausbildung von Ton-Hämatit-Häutchen um klastische Körner. Diese hemmen das authigene Quarzwachstum der detritischen Körner.

Neben den stark dominierenden Sandsteinen treten untergeordnet weitere Naturwerksteine auf. Dazu zählen der Vogelsbergbasalt, der Londorfer Lungstein, Diabase aus dem Hessischen Hinterland, Grauwacken, sowie Lahnmarmor und einige andere Kalksteinvarietäten im Innenbereich der Gebäude.

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe