TU Berlin

Findlingsquader-Kirchen in Norddeutschland

Inhalt des Dokuments

zur Navigation

Findlingsquader-Kirchen in Norddeutschland

Klaus-Dieter Meyer, Engenser Weg 5, D-30938 Burgwedel-Oldhorst

Im norddeutschen Flachland und angrenzenden Ländern sind Unmengen von Findlingen für Kirchenbauten verwendet worden - es waren dort die ersten Steinbauten überhaupt. Erst später wurden auch Profanbauten wie Burgen, Wohn- und Wirtschaftsgebäude etc. aus Stein errichtet. Zumeist wurden die Findlinge in ihrer natürlichen Form belassen, allenfalls spaltete man die größeren und beließ die Spaltflächen mehr oder weniger ungeglättet. Verwendet wurde alles in brauchbarer Größe erreichbare Material, in erster Linie Kristallin-, aber auch Sedimentgesteine, so dass Findlingsmauern einen bunten Querschnitt der Geschiebegemeinschaft der betreffenden Gegend widerspiegeln. Die Findlinge entstammen den jeweils benachbarten Geestgebieten; das gilt auch für Wurten-Kirchen in der Marsch. Im Ems-Weser-Gebiet ist bis in den Küstenraum in romanischen Kirchen auch Sandstein aus dem niedersächsischen Bergland verbaut worden, wenngleich meist nur für Fenster und Portale. Nahe der Ostsee wurden auch Gesteine aus Bornholm und Schweden verwendet, sowohl Festgesteine wie Findlinge.

In die unteren Bereich der Mauern wurden häufig metergroße Blöcke gesetzt, den wehrhaften Charakter dieser Bauten unterstreichend; oft wurden die Steine mit nach oben abnehmender Größe lagenhaft angeordnet. Darüber hinaus wurden in manchen Gegenden die gespaltenen Findlinge sorgsam behauen und streng geometrisch verbaut, so dass diese Bauwerke den Werkstein-Quaderkirchen der Festgesteinsgebiete gleichen. In Nordwestdeutschland hat sich dafür der Begriff "Granit-Quaderkirche" eingebürgert. Besser wäre die Bezeichnung "Findlingsquader-Kirche", denn es wurden ja auch viele andere Gesteinsarten verwendet - reine Granit-Quaderkirchen gibt es nur in Gebirgsgegenden mit anstehendem Granit. Eigentlich sind die Steine der norddeutschen Kirchen auch keine vollständigen Quader, denn die Innenfläche beließ man unbehauen und die Auflageflächen wurden auch nur zum Teil geglättet. Der Innenraum zwischen Außen- und Innenwand wurde mit einem Gemisch von Gesteinsbruchstücken und Mörtel verkippt. Die so genannte Schalenbauweise mit Findlings-Quadern findet sich in Nordwestdeutschland außer in Ostfriesland-Oldenburg und Nordschleswig nur in wenigen Kirchen an der Nordseeküste Schleswig-Holsteins und zwischen Weser- und Elbemündung.

Von den rund 40 Findlingsquader-Kirchen in Niedersachsen sind 10 annähernd vollständig gequadert, ca. 20 etwa zur Hälfte (meist 5 - 8 Reihen), die übrigen haben nur noch 2 – 4 Reihen. Die Ausmaße des Kirchenschiffs betragen bei den kleineren Kirchen etwa 11 x 22 m; soweit sichtbar (die Innenräume sind verputzt) sind dafür 1.100 - 1.200 Steine verbaut. Bei den größeren Kirchen steigt die Breite nur unwesentlich auf 13 - 14 m, aber die Länger auf ca. 35 bis max.43,7 m (Sillenstede). In diesen größeren Kirchen sind zwischen 2.500 und 8.000 Steine verwendet. Insgesamt sind rund 60.000 Steine verbaut; einschließlich der nicht sichtbaren dürften es rund 100.000 sein. Das ist für ein Altmoränengebiet nicht wenig und wohl mit der Grund für die auffallende Armut des Oldenburgisch-Ostfriesischen Geestrückens an Findlingen und Großsteingräbern. Angesichts des Geschiebereichtums im Jungmoränengebiet Schleswig-Hol-steins ist es erstaunlich, dass es dort nur zwischen Schleswig und Flensburg 1/2 Dutzend, allerdings höchst bemerkenswerte Quaderkirchen gibt. Dazu kommen noch je zwei nur zur Hälfte gequaderte Kirchen auf den Geestkerninseln Sylt und Führ. Die Kirchen der Landschaft Angeln sind ein Ausläufer der in Dänemark in großer Zahl (712) verbreiteten "Kvaderstenskirker".

Navigation

Direktzugang

Schnellnavigation zur Seite über Nummerneingabe