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Naturwerksteinbestand der ehemaligen Residenzstädte Bad Frankenhausen, Meiningen und Greiz

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Naturwerksteinbestand der ehemaligen Residenzstädte Bad Frankenhausen, Meiningen und Greiz

Gerhard Weise * und **,
* Leonhard Frank-Straße 1, 99423 Weimar, ** Bauhaus-Universität Weimar, Professur Grundbau, Lehrgebiet Ingenieurgeologie, Coudraystraße 11C, 99423 Weimar.

Der Beitrag soll in Thüringen verbaute Naturwerksteine unter historischen, geographischen und regionalgeologischen Blickwinkeln vorstellen. Da es im Zweiten Weltkrieg nur verhältnismäßig geringe Verluste an der historischen Bausubstanz gab, ist die Natursteinvielfalt in allen Städten heute noch beeindruckend. Daher sollen hier bewusst keine populären Städte wie Erfurt, Weimar und Jena vorgestellt werden, welche des Öfteren in natursteinkundlichen Publikationen beschrieben worden sind. Hier geht es vielmehr um drei kleinere, aber nicht minder interessante Städte. Sie waren zeitweilig Regierungssitz eines Kleinstaates und haben deswegen eine andersartige Entwicklung durchgemacht; außerdem liegen sie in unterschiedlichen geologischen Großregionen. Es ist ja allgemein bekannt, dass Thüringen eine abwechslungsreiche Geologie zu bieten hat.

Bad Frankenhausen wird im 9. Jahrhundert in Urkunden des Klosters Fulda als fränkische Siedlung erwähnt. Ab dem 11. Jahrhundert gehörte der Ort zu den Grafschaften Weimar-Orlamünde, Rothenburg und später Beichlingen. 1340 kam er zur Grafschaft Schwarzburg und war von 1571 bis 1598 Residenzstadt. Von 1599 bis 1918 war das seit 1282 mit Stadtrechten versehene Frankenhausen Hauptort einer Unterherrschaft des Fürstentums Schwarzburg-Rudolstadt. 1525 fand dort die letzte große Schlacht des Bauernkrieges statt. 1818 wurde das erste Kurhaus gebaut, in dem die seit 998 zur Salzgewinnung genutzte Solquelle zu Heilzwecken eingesetzt wurde. Seit 1927 trägt die Stadt die offizielle Bezeichnung Bad Frankenhausen. Schloß, Hausmannsturm, Reste der Stadtmauer, Ruine der Oberkirche mit "schiefstem Kirchturm Deutschlands" und Bürgerhäuser der Pfännergilde zählen zu den markantesten Bauwerken.

Bad Frankenhausen befindet sich an der Grenze zwischen Thüringer Becken und Kyffhäusergebirge; im Untergrund stehen auslaugungsgefährdete permische Sulfate und Karbonate an. Im Stadtbild dominiert der rotviolette Kyffhäuser-Sandstein (Oberkarbon), gefolgt von Terebratel- und Schaumkalk der Hainleite (Muschelkalk), Sandstein der Windleite (Buntsandstein) sowie Gips (Zechstein).

Meiningen wurde erst 982 als fränkisches Patronat urkundlich erwähnt und 1008 von Heinrich II. an das Bistum Würzburg abgetreten. 1547 kam die Stadt durch Tausch an die benachbarten Grafen von Henneberg, nach deren Aussterben 1583 an das wettinische Herzogtum Sachsen. Nach mehreren Erbteilungen entstand unter Herzog Bernhard I. um 1680 das Herzogtum Sachsen-Meiningen, welches bis 1918 existierte. Eine besondere Bedeutung erhielt Meiningen unter dem vorletzten Herzog Georg II., der als „Theaterherzog“ bekannt wurde. Schloß Elisabethenburg, Schloß Landsberg und das Theater zählen zu den Sehenswürdigkeiten. Im Vortrag sollen auch Bauwerke aus der Umgebung - dem Henneberger Land - gezeigt werden (Kloster Veßra).

Meiningen liegt im Zentrum des Südwestthüringischen Triasgebietes, was sich im Naturwerksteinbestand widerspiegelt. Hauptsächlich treten Terebratel- und Schaumkalk aus dem Ort Dreißigacker (Muschelkalk), Sandstein (Buntsandstein) sowie grüngrauer Schilfsandstein aus Hindfeld und Bedheim (Keuper) auf.

Greiz wurde 1209 erstmals urkundlich erwähnt. 1359 erhielt es Stadtrecht. 1449 wurde die Stadt von den Grafen von Reuß, die seit 1306 in Greiz residierten, in Unter- und Obergreiz aufgeteilt. Erst 1768 vereinigten sich beide wieder zur Grafschaft Reuß ältere Linie, die 1778 zum Fürstentum wurde, welches 1918 aufgelöst wurde. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich die Stadt zu einem bedeutenden Standort der Papier- und Textilindustrie. Oberes und Unteres Schloß, Stadtkirche, Sommerpalais sind nicht die einzigen Baudenkmäler, denn außerdem gibt es architektonisch anspruchsvolle Bürgerhäuser, Fabrikantenvillen, Schulen, Fabrikations- und Verwaltungsgebäude, die vom einstigen Reichtum der Stadt künden.

Greiz befindet sich im Thüringischen Schiefergebirge, und das Mauerwerk älterer Gebäude besteht demzufolge aus dunklen Tonschiefern , Phylliten , Quarziten , Grauwacken und Diabasen (Ordovizium bis Unterkarbon). Demgegenüber enthalten die repräsentativen Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts errichteten Gebäude vorwiegend helle Granite (Oberkarbon), Kalksteine (Muschelkalk) und Sandsteine (Oberkreide), die per Eisenbahn aus Franken und Sachsen herantransportiert worden waren.

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