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Skulpturen aus Fassadengesteinen am Beispiel der Ausstellung "Mineral-in-Form"

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Skulpturen aus Fassadengesteinen am Beispiel der Ausstellung "Mineral-in-Form"

, Mineralogisches Museum und Mineralogisch-Petrologisches Institut, Poppelsdorfer Schloß, 53115 Bonn.

In einer Sonderausstellung im Mineralogischen Museum der Universität Bonn mit dem Titel Mineral-in-Form (19.10.2005 bis 29.01.2006) wurde eine Brücke zwischen Mineralogie und Kunst gespannt. Gezeigt wurden über 20 Skulpturen des Bonner Künstlers und Zoologen Hans-Georg Heinzel, gefertigt aus verschiedenen Natursteinen aus aller Welt. Hierzu gestaltete ich zahlreiche Pultvitrinen mit Informationen zur Mineralogie und Geologie der verwendeten Gesteine. Eine Besonderheit dieser Ausstellung stellte die enge Zusammenarbeit mit dem Künstler da, die es ermöglichte, von sämtlichen verarbeiteten Gesteinen Probenmaterial für die nähere mikroskopische Untersuchung zu erhalten. Einige der Gesteine, die als Skulpturengesteine eher ungewöhnlich dafür aber geowissenschaftlich besonders interessant sind, wurden gemeinsam bei einem Natursteinwerk in Overath ausgewählt. Hierzu zählen ein Rapakivi-Granit („Baltic Brown“), ein Augengneis und ein Gestein mit dem Handelsnamen „Orion“ (ein Granat-Orthopyroxen-führendes granulitfazielles Gestein aus Indien). Für eine Diabasprobe wurde sogar ein Steinbruch bei Dillenburg aufgesucht. Von den bereits zum Zeitpunkt der Ausstellungsvorbereitung vorhandenen Skulpturen erbohrte der Künstler Probenmaterial für die Dünnschliff-Herstellung aus einem verdeckten Bereich der Skulptur.

Die Mikrofotos von den Gesteinsschliffen wurden mit Informationen zu Herkunft, Handelsnamen, wissenschaftlicher Bezeichnung und Motivangabe neben den Skulpturen platziert bzw. in den Pultvitrinen näher erläutert. Die Detailfotos wirken dabei oft selbst wie abstrakte Kunstwerke. In den Pultvitrinen behandelte geowissenschaftliche Themen lauteten:

Namensgebung der für die ausgestellten Skulpturen verwendeten Gesteine: Die Namensgebung im Natursteingewerbe ist oft irreführend und erscheint dem Wissenschaftler eher willkürlich (Beispiel: „Belgischer Granit“). Trotzdem sind in vielen Berufssparten eher die Handelsbezeichnungen geläufig. Daher wurden in der Ausstellung beide Namen, der wissenschaftliche Gesteinsname sowie der Handelsname, angeführt.

Ein Blick ins Innere der Skulpturen : eine Erläuterung der Methodik der Dünnschliffmikroskopie und der Ursache für die in den Fotos gezeigten Interferenzfarben.

Am Anfang war das Mineral: Die Minerale, die in den Gesteinen der ausgestellten Skulpturen auftreten, wurden anhand von Museumsexponaten gezeigt.

Mineralogische Besonderheiten hinter klingenden Gesteinsnamen : Mineralogie und Geologie von Rapakivi-Granit, Larvikit und Labradorit. Woraus bestehen die rundlichen Formen im Rapakivi-Granit, und warum zeigen Larvikit und Labradorit ein auffälliges Schillern?

Vom Steinbruch zur Skulptur : Im Steinbruch "Hirzenhain" bei Dillenburg wird der unter Bildhauern beliebte und als Fassadengestein bekannte "Diabas" (eigentlich ein Pikrit, d.h. ein Gestein, das fast ausschließlich aus Olivin und Pyroxen besteht) abgebaut. Gemeinsam mit dem Künstler Hans-Georg Heinzel wurde die Probe ausgesucht, die für zwei Skulpturen und ihre dazugehörigen Dünnschliffe verwendet wurden.

Blatt-Traum - vom biologischen Vorbild zur fertigen Skulptur: Die Entstehungsgeschichte der Skulptur "Blatt-Traum" stellt den aufwendigen Weg vom Motiv zur fertigen Skulptur aus einem Gestein mit dem Handelsnamen "Schwarz Schwedisch" (ein gabbroides Gestein) dar.

Bearbeitung der Gesteine am Beispiel der Meerestier-Skulpturen: Hier steht die vom Bildhauer angewandte Technik am Beispiel von einigen Skulpturen im Vordergrund. Wie beeinflussen Eigenschaften des Gesteins z.B. die Polierfähigkeit? Welche Werkzeuge eignen sich bei Gesteinen in Abhängigkeit von ihrer Härte?

Die Themen inspirierten meinen Institutskollegen Ingo Braun und mich, in der Ausstellung als zusätzliches Thema Zwei Rundgänge zu Fassadensteinen in der Bonner Innenstadt zu präsentieren (siehe separaten Beitrag von I. Braun & R. Schumacher).

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