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Geologie der Naturwerksteine in Sachsen

Jan-Michael Lange
Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden, Museum für Mineralogie und Geologie, Sektion Petrographie, Königsbrücker Landstraße 159, D-01109 Dresden, geolange@uni-leipzig.de [1]

Das geologisch älteste Bau- und Dekorationsgestein Sachsens ist mit etwa 540 Ma der Lausitzer Granodiorit („Granit“). Unter den zahlreichen Gesteinsvarianten sind vor allem die Typen Demitz, Kamenz und Königsbrück noch heute als Werkstein im Abbau. Es handelt sich um intrusive postdeformative Bildungen cadomischen Alters. Als Bestandteil des Lausitzer Granodioritkomplexes gehören sie zum größten zusammenhängenden Granitoidgebietes Mitteleuropas. Dieser Komplex ist von zahlreichen mafischen Kleinintrusionen durchsetzt, die sich geologisch-strukturell, stofflich und zeitlich unterscheiden. Für die Bau- und Dekorationsgesteinsgewinnung ist hier der Lausitzer Mikrogabbro („Lamprophyr“, „Spremberger Syenit“) von Bedeutung. Sein Intrusionsalter liegt vermutlich bei etwa 400 Ma, im Zeitraum von Devon bis Unterkarbon.

Der Maxener Kalkstein („Marmor“) ist Teil einer sedimentär-vulkanogenen Gesteinsfolge im Elbtalschiefergebirge in der Elbezone. Nur in der Nähe von magmatischen Intrusionen ist eine kontaktmetamorphe Umwandlung in einen Marmor gegeben. Stratigraphisch wird dieser Kalkstein in das Oberdevon gestellt und bezeugt eine Karbonatentwicklung in einem sich zunehmend differenzierenden Meeresraum im Vorfeld der variszischen Orogenese. Im Unterkarbon wurden schwarze Karbonate (Kohlenkalk) in Gestalt des Wildenfelser Kalksteins („Marmor“) als Wildflysch abgelagert. Mit der Schließung des Rheischen Ozeans erreichte die Kollision vom Armorica mit Avalonia im höheren Unterkarbon ihren Höhepunkt. Die mit dieser Kollision verbundenen, sehr komplexen Prozesse von Subduktion und Krustenstapelung führten zur Bildung besonderer Metamorphite. Ein Beispiel für eine Metamorphose ozeanischer Krustenrelikte ist der Zöblitzer Serpentinit („Serpentin“). Dessen metamorphe Umwandlung wird auf etwa 340 Ma datiert und stellt vermutlich eine ursprünglich etwa 425 Ma alte ozeanische Kruste dar. Ein weiteres Beispiel ist der Crottendorfer Marmor, dessen Ursprung möglicherweise in kambrischen Kalksteinen zu suchen ist.

Eine Folge des großräumigen Kompressionsprozesses war die Bildung granitischer Schmelzen, die in Sachsen zu einer Vielzahl bedeutender Granitvorkommen führte. Besonders im Erzgebirge und im Vogtland verliefen diese Prozesse in hoher Intensität zwischen 325 und 320 Ma. Unter diesen Graniten sind als Bau- und Dekorationsgesteine besonders zu erwähnen: der Eibenstocker, der Kirchberger und der Blauenthaler Granit. Im Rand des Bergener Granitplutons wurde durch Kontaktmetamorphose der Theumaer Fruchtschiefer gebildet. Von den Graniten des Granulitgebirges ist der Mittweidaer Granit als Werkstein bedeutend. Auf den variszischen Magmatismus ist auch die Anlage des Meißner Massivs in der Elbezone an einer etwa 80 km Versatz betragenden Horizontalverschiebung, zurückzuführen. Es war besonders im 19. Jahrhundert ein wichtiges Liefergebiet von Bau- und Dekorationsgesteinen für den Hoch- und Tiefbau im Dresdner Raum. Ältestes Gestein des Massivs ist der Monzodiorit von Gröba („Gröbait“). Den Hauptteil bildet aber der Meißner Monzonit („Syenit“), u. a. vom Plauenschen Grund bei Dresden. Das jüngste Glied des Intrusivkomplexes ist der Meißner Granit oder Riesensteingranit („Rot Meißen“). Ebenfalls variszischen Alters sind isolierte Granitvorkommen in der Lausitz, wie das Vorkommen des Königshainer Granits mit einem Alter von etwa 315 Ma bei Görlitz. Postkollisionale Ausgleichsbewegungen am Ende der variszischen Orogenese führten zu bedeutenden vulkanischen Aktivitäten während des Oberkabons und Rotliegenden. Im östlichen Erzgebirge wird die Caldera von Altenberg-Teplice angelegt. In diese Struktur intrudierte der Altenberger Mikrogranit („Granitporphyr“).

Das mit Abstand größte Vorkommen variszischer Vulkanite ist der aus drei vulkanotektonischen Zyklen bestehende Nordwestsächsische Eruptivkomplex. Im ersten Zyklus sind der Rochlitzer Rhyolith („Porphyr“) und seine Äquivalente, u. a. der Dornreichenbacher Rhyolith („Porphyr“), die markantesten und flächenmäßig dominierenden Bildungen. Etwas jünger ist der bekannte Rochlitzer Rhyolithtuff („Porphyrtuff“). Bereits dem zweiten Zyklus gehört mit etwa 280 Ma der Beuchaer Mikrogranit („Pyroxengranitporphyr“) an. Mit diesen magmatischen Bildungen klang die variszische Orogenese ab.

In der Oberkreide wurde Sachsen Bestandteil eines Archipels, der die Meeresgebiete von Tethys und Boreal trennte. Zwischen Westsudetischer (Lausitz) und Mitteleuropäischer Insel (u. a. mit dem Erzgebirge) gelegen, wurde in der Elbezone ein mariner Randtrog angelegt, in dem mächtige klastische Sedimente von den benachbarten Hochgebieten geschüttet wurden. Im südöstlichen Teil des sächsischen Elbtals sind dies vor allem die verschiedenen Typen von Elbsandstein, die eine küstennahe Sedimentation anzeigen. Dagegen wurden im küstenfernen nordwestlichen Abschnitt zunehmend feinkörnige Mergelsteine, der sogenannte Pläner, abgelagert. Bereits am Ende der Kreide war dieser Bereich terrestrisch.
Im Paläogen und Neogen (Tertiär) wurde Sachsen nur noch in den nördlichen Teilen marin beeinflusst. Die alpine Orogenese verursachte in Mitteleuropa eine komplexe Tektonik mit Krustendehnungen, Scher- und Kompressionsbewegungen. Diese führte lokal zu einem intensiven basischen Vulkanismus, der vor allem in der Lausitz und im Erzgebirge zu zahlreichen Basaltoidvorkommen führte. Stellvertretend sei der Stolpener Basalt mit einem Alter von etwa 25 Ma erwähnt.

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