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Linden On The Rocks

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Linden On The Rocks – eine stadtgeologische Bezirksinitiative in Hannover

Annette Richter
Niedersächsisches Landesmuseum Hannover, Willy-Brandt-Allee 5, 30169 Hannover,

Neben den Innenstadt-Gesteinsrundgängen, die in jeder Stadt gleichermaßen viele Repräsentationsgebäude und die historischen Stadtkerne abdecken und die von den meisten Teilnehmern unseres Netzwerks mittlerweile angeboten werden, bieten sich in den größeren Städten zudem auch in einzelnen Bezirken lohnende Betätigungsfelder.

Hannovers Innenstadt ist durch die Initiativen der Führungsangebote des Landesmuseums bereits gut abgedeckt. Vielfach geäußertes Interesse der Exkursionsteilnehmer an weiteren Touren führte auch zu erweiterten und abgeänderten Routen, die über die City hinaus in angrenzende Bezirke mit weit weniger repräsentativen Gebäudekomplexen gingen. Im Rahmen einer solchen Exkursion kam es zur Kontaktaufnahme mit einem besonders regen Kulturverein. Dieser setzt sich für die Belange des Hannoveraner Stadtteils „Linden“ ein, einem im Westteil der Stadt gelegenen, ehemaligen Arbeiterbezirk in der Nähe der Hanomag, der erst in den letzten 10 Jahren an Wohnqualität ebenso wie an Beliebtheit gewonnen hat. Linden besteht aus seiner Geschichte heraus zu einem sehr großen Teil aus Backsteingebäuden, so dass ein Einsatz für stadtgeologische Anliegen in diesem Bezirk auf ersten Blick nicht nahe lag. Bei genauer Betrachtung jedoch erwies sich jedoch auch Linden als durchaus „steinreich“, so dass eine Spezial-Führung konzipiert werden konnte. Vereinzelte, vom Krieg verschonte Bürgerhäuser, ein malerischer Friedhof, diverse Straßenpflasterungen, ein Kirchen-Innenraum, ein Denkmal und – auch hier – Banken-Fassaden sind nur einige Beispiele. Die Autorin und der Verein „Quartier e.V.“ erprobten daraufhin 2008 in mehreren „Pilot-Exkursionen“ das Interesse und konnten feststellen, dass die Resonanz unerwartet groß war (Minimum: 20 Teilnehmer, Maximum: 70 Teilnehmer).

Deutlich fiel auf, dass die gemeinsame „Entdeckung“ faszinierender Gesteinskomplexe in der Bausubstanz Lindens von der teilnehmenden Klientel als Bereicherung für die Kulturaspekte des Bezirks empfunden wurde. Naturgemäß war die Aufmerksamkeit der Teilnehmer dort besonders groß, wo Fossilreste eine Rolle spielten. Jedoch auch bei den Kristallingesteinen oder fossilfreien Sandsteinen wurden die „Lindener Steine“ als Aufwertung betrachtet und die mit minimalen Informationen versehenen Handzettel mit großer Begeisterung angenommen.

Mittlerweile prüft der Quartier e.V. den Einsatz von Kulturförderungsgeldern zur Erstellung einer stadtgeologischen Bezirksbroschüre, die sich ausschließlich dem Bezirk Linden und seinen nunmehr besser bekannt gewordenen Stadt-Steinen widmen soll. Aus den Nachteilen eines begrenzten Bezirks und eines für den Kulturverein ungewöhnlichen Themas wurde somit sowohl für unser Netzwerk als auch für den Verein ein Vorteil im gemeinsamen Anliegen, Bildung zu vermitteln. Der pädagogische Aspekt einer Art verstärkter Identifikation mit dem eigenen Wohnbezirk – neben den traditionellen kulturellen Aktivitäten zusätzlich mit geologischen und paläontologischen Parametern - scheint dabei ein gangbarer neuer Weg zu sein.

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