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Sächsische Marmore

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Sächsische "Marmore" im Grünen Gewölbe des Dresdener Schlosses

Heiner Siedel
Technische Universität Dresden, Institut für Geotechnik, Professur für Angewandte Geologie, 01062 Dresden

Das so genannte „Grüne Gewölbe“ im Dresdener Residenzschloss wurde zwischen 1723 und 1730 während der Regierungszeit Augusts des Starken eingerichtet. Als barockes „Gesamtkunstwerk“ konzipiert, enthielt es neben den eigentlichen Ausstellungsgegenständen und den reich verzierten und verspiegelten Schauwänden eine umfängliche Ausstattung mit dekorativen, bunten Natursteinen in Fußböden und Türgewänden. Bemerkenswert ist, dass der originale Bestand ausschließlich aus „Marmoren“ besteht, die zur Erbauungszeit in Sachsen selbst gewonnen wurden. Durch spätere Umbauten (zuletzt 1914, dabei u. a. Neuverlegung einer Heizung) und Kriegszerstörungen bedingt, gelangten später auch andere Dekorationsgesteine als Fußbodenplatten in die Räume.

Die Rekonstruktion der historischen Raumstrukturen und -ausstattungen, die unter Einbeziehung erhaltener Originalbestände kürzlich abgeschlossen werden konnte, zielt auf die weitgehende Wiederherstellung des barocken Raumcharakters. So bietet das Grüne Gewölbe heute einen der wenigen Orte, an denen man die früher in Sachsen häufig verwendeten Marmore und Kalksteine aus ehemaliger einheimischer Gewinnung noch in großer Vielfalt der Varietäten erleben kann. Dies sind im Einzelnen: (1) Crottendorfer Marmor, ein echter gelblich weißer Marmor aus dem Erzgebirge mit Glimmerlagen, die ihm eine charakteristische Textur verleihen, (2) roter, weiß geaderter und polierfähiger oberdevonischer Kalkstein aus Grünau bei Wildenfels im Wildenfelser Zwischengebirge, (3) der als „Wildenfelser Marmor“ bezeichnete schwarze, weiß geaderte und ebenfalls polierfähige Kohlenkalk des Unterkarbon mit Korallen und Crinoiden, (4) graue, weiß geaderte oberdevonische Kalksteine (polierfähig) aus der Gegend von Borna und Maxen im Elbtalschiefergebirge sowie (5) bunte kontaktmetamorphe Marmore aus Maxen, die nur über einen kurzen Zeitraum von wenigen Jahrzehnten zwischen dem Aufschluss 1713 und den fünfziger Jahren des 18. Jahrhunderts gewonnen wurden. Dazu kommt eines der bekanntesten Dekorationsgesteine Sachsens, der grüne bis schwarze Zöblitzer Serpentinit, welcher nur im Fußboden des Pretiosensaales nachgewiesen werden konnte. Hier könnte eventuell ein älterer Bestand aus der Renaissance vermutet werden, der in die barocke Neugestaltung integriert wurde.

Neben den Bemühungen um die Erhaltung und erneute Präsentation der teilweise stark geschädigten Fußböden und Türgewände machten sich besonders in den zum Schlosshof zugewandten Räumen umfangreiche Rekonstruktionen erforderlich. Da keines der originalen Materialien mehr neu beschafft werden konnte, mussten dafür möglichst in der optischen Erscheinung ähnliche Substitute vom internationalen Natursteinmarkt ausgewählt werden. Dabei kamen unter anderen Devonkalke aus Thüringen („Saalburger Marmore“) in kräftig roter Ausbildung (für den roten Grünauer Kalk) und eine weitere, seltene violett-rötliche Varietät des Saalburger Materials als Ersatz für zerstörte Platten aus Maxener Marmor zum Einsatz.

Eine moderne Besucherschleuse realisiert auch heute wieder, was schon zu Augusts des Starken Zeiten gefordert wurde: „Ehe man in die Zimmer tritt, müssen die Schuhe vom Staube gesäubert werden, damit davon nichts in die Zimmer, deren Fußböden insgesamt von verschiedenen Marmoren zusammengesetzet, und täglich polieret werden, getragen und gebracht werde.“ (Beschreibung des Grünen Gewölbes in Dreßden, Frankfurt/Leipzig 1737).

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